Aufruf der Kritischen Einführungswoche im SoSe 2017

Der typische Uni-Alltag: Von Seminar zu Seminar rennen, dazwischen kurz in der Mensa essen, später noch Referate, Lerntagebücher und Essays verfassen.

Rückzug? Entspannung? Austausch? Nicht hier. Es schreit alles nach Effizienz, Leistung und Schnelligkeit. Es ist Prüfungszeit, aber du findest keinen Platz in der Bibliothek. Du hast Hunger, musst aber im Foyer essen, denn die Mensa ist laut und voll. Du brauchst eine kurze Pause, aber die Uni besteht nur aus Glas und Stahl. Auch der Campus gleicht einer Betonwüste. Sich nach den Vorlesungen mit anderen Studis an entspannten Orten austauschen können: Fehlanzeige!

Doch das sind nur die sichtbarsten Anzeichen für das, was an der Hochschule schiefläuft. Alles ist auf das Erbringen von Leistung reduziert. Gute Studis sind die, die möglichst viele Leistungspunkte in möglichst kurzer Zeit sammeln. Effizienz ist das Stichwort. Wer die Regelstudienzeit nicht einhalten kann, bekommt BAföG entzogen; seit diesem Semester erhebt die Uni Leipzig Langzeitstudiengebühren.

Wer sich in und neben dem Studium frei entfalten will, Zeit für Wissenschaft, Kultur und Austausch sucht und sich zusammen mit anderen weiterbilden möchte, erlebt schnell die Ernüchterung: Das Studium mit ECTS, Regelstudienzeit und modularisierten Plänen nimmt jegliche Möglichkeit, sich über die Vorlesungsinhalte hinaus mit gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Dabei sind die Inhalte ohnehin schon hauptsächlich auf Auswendiglernen möglichst vieler nur angerissener Themen ausgelegt. Die Prüfungen beschränken sich oft auf das Abfragen von Fakten.
Da wundert es nicht, dass viele Studis gestresst sind und Hilfe suchen (wir alle kennen die NightLine-Poster an den Uni-Toiletten und die Flyer zur Psychosozialberatung).

Und wie kann es eigentlich sein, dass es so schwierig ist, überhaupt an der Uni angenommen zu werden? Einige Leute verbringen Jahre mit Wartesemestern, anderen wird allein schon die Möglichkeit versagt, durch Studien – und Büchergebühren. Anschlussfähigkeit an akademische Sprache und Stil in mindestens Deutsch und Englisch wird vorausgesetzt. Auch widerspricht der Erzählung der weltoffenen und toleranten Hochschule, wie schwer es geflüchteten Menschen gemacht wird – auch seitens der Uni-Leitung – studieren zu können.

Die Universität reiht sich ein in die künstlichen Trennungen, die unsere Gesellschaft durchziehen. Jede*r an seinen/ihren Platz: Arbeiter*innen? „Nicht willkommen.“ Migrant*innen? „Nur wenn ihr euch anpasst.“ Frauen*? „Gern, aber habt nicht zu hohe Erwartungen.“ Die Uni reproduziert sozialen Ausschluss, sie fördert Konkurrenzdenken, sie ist unerträglich.

Einen ersten Schritt, diese Probleme anzugehen, sehen wir darin, uns zu organisieren, Missstände zu thematisieren und Solidarität zu zeigen. Um uns zurückzulehnen, um zusammenzukommen, um uns mit Studieninhalten und -organisation kritisch auseinanderzusetzen, brauchen wir selbstverwaltete Räume.
An der Uni Leipzig gibt es solche Räume nicht, zumindest keine, die unabhängig vom StuRa selbstverwaltet genutzt werden können; sei es zum Entspannen, für wissenschaftliche Diskurse oder zur politischen Auseinandersetzung. An der HTWK existiert nicht einmal eine richtige Raumvergabeordnung. Eine Person, nämlich die Kanzlerin der Hochschule, entscheidet, welche Personen bzw. Gruppen Räume für ihre Veranstaltungen bekommen. Besonders politische und hochschulkritische Veranstaltungen werden blockiert.

Im Rahmen der KEW fordern wir diesen Sommer deshalb einen selbstverwalteten Raum für alle Studis der Uni Leipzig, der für das Miteinander, für die Wissenschaft und für die Politik von allen genutzt werden kann. Wir fordern eine Raumvergabeordnung an der HTWK, um Studis zu ermöglichen, ihre Inhalte und ihre Kritik in die Öffentlichkeit zu tragen.

Denn die Hochschule gehört uns!

Wir wollen gemeinsam lernen und nicht konkurrieren müssen!
Wir wollen uns selbst organisieren und nicht verwaltet werden!
Wir wollen kreativ sein und nicht auswendig lernen!

Es geht los…

Auch, wenn die Uni eigentlich erst in einer Woche wieder startet, lohnt es sich auch diese Woche schon, das ein oder andere Mal am Campus vorbeizuschauen. Denn morgen beginnen die Kritischen Einführungswochen!

Neben unserem dreiwöchigen Veranstaltungsprogramm werden wir auch in diesem Jahr wieder ein CouchCafé im Campusinnenhof einrichten. Dort gibt’s zwischen 10 und 16 Uhr alle wichtigen Informationen, spannendes Material, interessante Gespräche & bunte Menschen.

Das aktuelle Programm findet ihr hier auf der Homepage, auf Facebook und den legendären KEW-Fylern. Haltet die Augen offen!

Die ganz Uni Leipzig befindet sich im Sommerloch? Die gaaanze Uni?

Nein, seit Juli findet jeden zweiten Mittwoch ein offenes Treffen zur Vorbereitung der Kritischen Einführungswochen im Wintersemester 2016 statt. Im Plenum und vier AGs arbeiten wir daran zum vierten Mal ein Alternativprogramm zu den formalen Einführungstagen an der Universität Leipzig auf die Beine zu stellen. Mit den kritischen Einführungswochen wollen wir gleich zu Beginn des neuen Semesters Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit Universität und Gesellschaft schaffen.

Parallel zum offiziellen Brimborium planen wir ein dreiwöchiges Alternativprogramm mit Workshops, Diskussionen, Couchcafé, alternativen Stadtrundgängen, Kneipenabenden, Partys, usw. Während das Programm inhaltlich schon Form annimmt, brauchen wir in vielen kleinen Orgaaufgaben noch Unterstützung. Wenn du Lust hast auf eine Couchcafé-Schicht hast, oder Flyer verteilen könntest, wende dich an eine der vielen Gruppen, die Teil unseres losen Bündnisses sind oder schreib uns direkt auf unserer Facebook-Seite.

Alle Informationen zu den Veranstaltungen und rund um die Wochen werden ab September auf unserer Homepage und auf Facebook veröffentlicht!

Kritische Einführungswoche gegen Rechts

Das neue Semester steht vor der Tür und du bist neu an der Uni oder lebst dich gerade ein?
Auch im Sommersemester möchten wir wieder eine Kritische Einführungswoche an der Universität Leipzig anbieten. Fernab vom neoliberalen Unialltag aus Leistungs- und Konkurrenzdruck laden wir euch ein zu einer Woche voller Veranstaltungen, Workshops und Diskussionen, in der es jede Menge Gelegenheiten zum Kennenlernen und Austauschen geben wird. Damit möchten wir Raum schaffen für alternative Inhalte und politische Diskussionen, die im konformistischen Betrieb der Bildungsfabrik Universität keinen Platz finden.

Unter dem Motto „Kritische Einführungswoche gegen Rechts“ möchten wir den gegenwärtigen Tendenzen in dieser Gesellschaft entgegentreten. Hier in Sachsen tobt der rassistische Mob, rechte Aufmärsche und brennende Geflüchtetenuntekünfte sind an der Tagesordnung. Doch auch in der gesamten Bundesrepublik wird rechtes Gedankengut immer salonfähiger und Parteien wie die AfD gewinnen an Zustimmung. Den „etablierten Parteien“ fällt dabei nichts weiter ein, als diesen rassistischen Positionen hinterherzuhecheln und im Angesicht der „ernstzunehmen Ängste der besorgten Bürger_innen“ das Asylrecht zu verschärfen.
Deshalb ist es unverzichtbar sich mit Rassismus, rechten Ideologien und deren gesellschaftlichen Bedingungen auseinanderzusetzen und diesen politisch entgegenzutreten – auch an der Universität! Denn Rassismus ist nicht nur ein Problem im sächsischen Hinterland, sondern ein gesamtgesellschaftliches, das sich in Institutionen wie der Universität wiederfindet und reproduziert.

Kommt vom 11.-15. April zum Couchcafe im Campus Innenhof! Wir versorgen euch mit Getränken und Kuchen. Hier können wir uns austauschen und kennenlernen. Es gibt einen Infotisch und gute Musik. Schaut mal rein und macht’s euch gemütlich, wir freuen uns!
Alle aktuellen Informationen zu den Veranstaltungen und rund um die Woche werden hier auf unserer Homepage und auf Facebook veröffentlicht.

Alternativprogramm an der Uni Leipzig 2015!

Neu an der Uni und gespannt was dich erwartet? Das Semester steht vor der Tür und damit hektische Tage voller Formalitäten. Ganz bestimmt kann einem die Uni wie eine Welt für sich vorkommen, mit ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Regeln. Sie ist aber keineswegs losgelöst von der Gesellschaft. Durch die Umstellung auf Bachelor-Master haben wir es mit einer massiven Verschulung der Lehre zu tun und gleichzeitig wird Wissenschaft und Forschung immer stärker von Geldern aus der privaten Wirtschaft abhängig. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten sind auf ein Minimum zurückgefahren worden.

Aber warum diese Veränderungen? Und wie können wir uns dagegen wehren? Mit den kritischen Einführungswochen wollen wir freie Räume schaffen, um solche Fragen zu stellen und Platz für eine kritische Auseinandersetzung mit Universität und Gesellschaft zu bekommen.

Um Vereinzelung und Konkurrenz etwas entgegen zu setzen, wird es jede Menge Gelegenheiten zum Kennenlernen und Austauschen in entspannter Atmosphäre geben. Parallel zum offiziellen Brimborium erwartet euch ein fächerübergreifendes, kritisches Alternativprogramm. Es wird Veranstaltungen, Workshops und Diskussionen zu Themen geben, die an der Uni sonst zu kurz kommen: Kritische wissenschaftliche Inhalte, Einblicke in die Arbeit politischer Gruppen und ein alternativer Blick auf die Stadt Leipzig. In der dritten Woche werdet ihr die Gelegenheit haben Projekte, Gruppen und Initiativen kennen zu lernen, die allesamt versuchen, diese Stadt politisch schöner zu machen.

Kommt vom 5. – 18. Oktober zum Couchcafé am Campus! Wir versorgen euch mit heißem Kaffee und guter Laune. Hier gibt es immer Leute, die schon etwas länger an der Uni sind und Fragen rund um das Studium beantworten können. Es gibt einen Infotisch und gute Musik. Schaut mal rein und macht’s euch gemütlich, wir freuen uns!
Alle aktuellen Informationen zu den Veranstaltungen und rund um die Wochen werden auf unserer Homepage und auf Facebook veröffentlicht!



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